· Von Melissa Gerdi
CBD-Laborbericht lesen: COA, THC und Schadstoffe prüfen
Ein CBD-Laborbericht sieht auf den ersten Blick eindeutig aus: Namen des Labors, Tabellen, Abkürzungen und viele Nachkommastellen. Trotzdem beantwortet er nur dann die richtigen Fragen, wenn Bericht und Produkt wirklich zusammengehören und die untersuchten Stoffe zum Prüfziel passen. Ein Cannabinoidprofil kann zum Beispiel zeigen, wie viel CBD oder THC in einer Probe gemessen wurde. Ob dieselbe Probe auch auf Pestizide oder Schwermetalle untersucht wurde, steht auf einem anderen Blatt.
Die kurze Antwort: Gleichen Sie zuerst Produktname und Chargennummer ab. Prüfen Sie danach Labor, Datum, Einheit, Cannabinoidprofil und den tatsächlichen Prüfumfang. Begriffe wie "ND" oder "unter LOQ" bedeuten nicht automatisch, dass ein Stoff absolut nicht vorhanden ist. Sie beschreiben das Ergebnis innerhalb der Grenzen einer bestimmten Messmethode.
Was ist ein COA bei CBD?
COA steht für "Certificate of Analysis", auf Deutsch meist Analysezertifikat oder Laborbericht. Das Dokument hält fest, was ein Labor in einer eingesandten Probe gemessen hat. Gute Berichte nennen mindestens die Probe, eine Chargen- oder Losnummer, den Auftraggeber, Eingangs- und Prüfdatum, die verwendete Methode, Einheiten sowie die Ergebnisse.
Der wichtigste Punkt wird gern übersehen: Ein COA gehört nicht allgemein zu einer Marke oder Produktart. Es gehört zu einer konkreten Probe. Fehlt die Verbindung zwischen Losnummer auf der Flasche und Losnummer im Bericht, lässt sich nicht sicher feststellen, ob die Werte zum vorliegenden Produkt gehören.
Dass dieser Abgleich sinnvoll ist, zeigen Untersuchungen aus Europa. Bei zwölf online gekauften CBD-Ölen entsprach nur jedes zweite Produkt der angegebenen CBD-Konzentration.[5] Eine britische Untersuchung von 29 frei verkäuflichen CBD-Produkten fand nur 11 Produkte, deren gemessener CBD-Gehalt höchstens zehn Prozent von der Deklaration abwich.[6] Beide Arbeiten beziehen sich auf begrenzte Stichproben und andere Märkte. Sie belegen keine allgemeine Fehlerquote für jedes CBD-Produkt, zeigen aber, warum Chargenanalysen und klare Einheiten nützlich sind.
CBD-Laborbericht lesen: sieben Schritte

1. Produkt und Charge zuordnen

Suchen Sie auf dem COA nach Produktname, Probenbezeichnung, Chargennummer, Losnummer oder Batch-ID. Mindestens eine dieser Angaben sollte eindeutig mit dem Etikett übereinstimmen. Achten Sie auf vertauschte Ziffern und auf Berichte, die nur eine Produktfamilie nennen, etwa "CBD Öl 10 %", aber keine Charge.
Prüfen Sie auch das Datum. Ein Bericht aus einem früheren Produktionslauf sagt wenig über eine später hergestellte Charge aus. Das Prüfdatum muss nicht mit dem Abfülldatum identisch sein. Es sollte jedoch zeitlich plausibel sein und zusammen mit den übrigen Angaben eine nachvollziehbare Zuordnung ergeben.
Ein QR-Code auf der Verpackung ist bequem, ersetzt den Abgleich aber nicht. Entscheidend ist, welches Dokument sich öffnet und welche Probe darin genannt wird.
2. Labor und Akkreditierung prüfen
Ein Labor sollte mit vollständigem Namen und Kontaktangaben erkennbar sein. Dazu gehören häufig Berichtsnummer, Freigabedatum und eine verantwortliche Person oder digitale Freigabe. Ein Logo allein sagt nichts über die fachliche Zuständigkeit für die konkrete Messung aus.
Für Prüflabore ist DIN EN ISO/IEC 17025 der weltweit verwendete Akkreditierungsstandard. Die Norm betrifft unter anderem Kompetenz, Unparteilichkeit und eine einheitliche Arbeitsweise.[7] Eine Akkreditierung ist trotzdem kein Blankoscheck für jede denkbare Analyse. Prüfen Sie nach Möglichkeit, ob Cannabinoide oder die betreffende Matrix im akkreditierten Prüfbereich des Labors stehen. Die DAkkS stellt dafür eine Datenbank akkreditierter Stellen bereit.[7]
Manche Berichte nennen die Methode, zum Beispiel HPLC oder GC. Die Abkürzung allein macht ein Ergebnis weder gut noch schlecht. Das Labor muss die Methode für die Probe beherrschen, Messgrenzen nennen und Ergebnisse nachvollziehbar ausweisen.
3. Einheit und Bezugsgröße verstehen

Cannabinoidwerte können in Prozent, Milligramm pro Gramm (mg/g) oder Milligramm pro Milliliter (mg/ml) angegeben sein. Diese Angaben dürfen nicht ungeprüft nebeneinandergestellt werden. mg/g bezieht sich auf Masse, mg/ml auf Volumen. Für eine Umrechnung zwischen beiden Angaben braucht man Informationen zur Dichte oder eine vom Labor angegebene Berechnungsgrundlage.
Schauen Sie deshalb zuerst auf die Einheit und erst danach auf die Zahl. Ein Etikett mit einer Prozentangabe lässt sich nur sinnvoll vergleichen, wenn klar ist, wie das Labor den Prozentwert berechnet hat. Bei Flaschenangaben spielt außerdem eine Rolle, ob der Hersteller den Gehalt pro Milliliter, pro Gramm oder für den gesamten Inhalt ausweist.
Rundungsregeln und Messunsicherheit können kleine Abweichungen erklären. Ein seriöser Bericht kann die Messunsicherheit oder einen akzeptierten Toleranzbereich nennen. Fehlt beides, sollte aus einer einzelnen Nachkommastelle keine Scheingenauigkeit abgeleitet werden.
4. CBD, CBDA, THC und THCA getrennt lesen
Im Cannabinoidprofil stehen meist mehrere Zeilen. CBD und CBDA sind nicht dieselbe Messgröße. Gleiches gilt für Delta-9-THC und THCA. Das BfR beschreibt THCA als biosynthetische Vorstufe von THC, die selbst keine psychoaktive Wirkung besitzt.[1] Wärme kann das Verhältnis der sauren und neutralen Formen verändern. Deshalb sollte ein Bericht erkennen lassen, ob Einzelwerte oder berechnete Gesamtwerte gemeint sind.
Bei der Prüfung einer CBD-Angabe lohnt sich ein Blick auf drei Fragen:
- Wird nur CBD genannt oder auch CBDA?
- Steht neben dem Einzelwert zusätzlich "Gesamt-CBD" oder "Total CBD"?
- Erklärt der Bericht, wie ein Gesamtwert berechnet wurde?
Dasselbe gilt für THC. Ein einzelner Delta-9-THC-Wert beantwortet nicht automatisch, ob auch THCA geprüft und wie ein möglicher Gesamtwert gebildet wurde. Insbesondere bei Extrakten kann THC vorkommen; das BfR weist ausdrücklich darauf hin, dass CBD-Produkte mit THC verunreinigt sein können.[1]
Die Bezeichnungen Vollspektrum, Breitspektrum und Isolat helfen bei der Erwartung an das Profil, ersetzen aber keine Messung. Unser Beitrag zu den Unterschieden zwischen Vollspektrum, Breitspektrum und CBD-Isolat erklärt, welche Produktbegriffe üblich sind und wo ihre Aussagekraft endet.
5. ND, LOD und LOQ richtig deuten

Laborberichte verwenden häufig Kürzel:
- ND bedeutet meist "not detected", also nicht nachgewiesen.
- LOD ist die Nachweisgrenze. Eurachem definiert sie als die niedrigste Analytkonzentration, die eine Methode mit einem festgelegten Vertrauensniveau nachweisen kann.[8]
- LOQ ist die Bestimmungsgrenze. Sie bezeichnet die niedrigste Konzentration, die sich mit akzeptabler Methodenleistung quantifizieren lässt.[8]
Die genaue Definition sollte im Bericht oder in der Methodenlegende stehen. "ND" ist kein universeller Nullwert. Ein anderes Labor oder eine empfindlichere Methode kann eine niedrigere Grenze haben. Ein Ergebnis wie "< LOQ" sagt deshalb mehr aus, wenn der konkrete LOQ-Wert und die Einheit genannt werden.
Das ist besonders wichtig bei Aussagen wie "THC-frei". Ein Bericht kann belegen, dass in der untersuchten Probe mit der verwendeten Methode kein Wert oberhalb der angegebenen Grenze bestimmt wurde. Absolute Stofffreiheit lässt sich aus dem Kürzel allein nicht ableiten.
6. Den Prüfumfang für Schadstoffe kontrollieren

Ein Cannabinoidprofil ist eine Gehaltsanalyse. Für eine weitergehende Qualitätsprüfung können zusätzliche Bereiche relevant sein:
- Pestizidrückstände
- Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder Arsen
- Restlösungsmittel aus der Verarbeitung
- Mikrobiologie, etwa bestimmte Bakterien, Hefen oder Schimmel
- Mykotoxine
Nicht jeder Bericht muss zwangsläufig alle Bereiche enthalten. Entscheidend ist, dass klar bleibt, was geprüft wurde und was nicht. Die britische Produktuntersuchung analysierte neben Cannabinoiden auch Restlösungsmittel und Schwermetalle. In mehreren Proben waren solche Stoffe messbar, in dieser Studie lagen sie jedoch innerhalb der herangezogenen Grenzwerte.[6] Daraus folgt weder, dass jedes Produkt belastet ist, noch dass ein reines Cannabinoidprofil eine Schadstoffprüfung ersetzt.
Lesen Sie bei Schadstofftabellen die Spaltenüberschriften. "Pass" oder "bestanden" ist nur verständlich, wenn Analyten, Methode und zugrunde gelegter Grenz- oder Aktionswert erkennbar sind. Eine leere Zeile bedeutet nicht automatisch "nicht nachgewiesen".
7. Das Ergebnis im richtigen Rahmen bewerten
Ein COA beantwortet eine begrenzte Frage: Was wurde in dieser Probe mit dieser Methode zu diesem Zeitpunkt gemessen? Es beweist keine gesundheitliche Wirkung. Es ersetzt keine individuelle medizinische Beratung und sagt allein nichts über mögliche Wechselwirkungen von CBD und Medikamenten aus.
Auch Lagerung und Zeit spielen eine Rolle. Ein passender Laborbericht dokumentiert den Zustand der untersuchten Probe, nicht jede spätere Veränderung. Hinweise zu Licht, Wärme, Sauerstoff und Etikett finden Sie im Beitrag CBD Öl richtig lagern.
Warum 0,3 Prozent kein pauschaler Grenzwert für CBD-Produkte ist
Die häufig genannte Grenze von 0,3 Prozent THC wird oft falsch übertragen. Das BVL stellt klar, dass sich dieser Wert auf den Umgang mit Nutzhanf bezieht und nicht als allgemeiner Höchstgehalt für hanfhaltige Lebensmittel verstanden werden darf.[2] Für bestimmte Lebensmittel aus Hanfsamen gelten deutlich niedrigere Höchstgehalte an Delta-9-THC-Äquivalenten.[2]
Ein Laborwert allein beantwortet außerdem nicht die gesamte Frage der Verkehrsfähigkeit. Produktkategorie, Aufmachung, Zusammensetzung und Verwendungszweck können rechtlich eine Rolle spielen. Das BVL bewertet CBD in Lebensmitteln nach dem veröffentlichten Stand als neuartig und verweist auf die erforderliche Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung.[2] Ein COA kann die Zusammensetzung einer Probe dokumentieren, aber keine behördliche Zulassung ersetzen.
Pauschale Aussagen wie "unter 0,3 Prozent ist jedes CBD-Produkt legal" sind daher nicht belastbar. Wer eine rechtliche Einordnung für ein konkretes Erzeugnis benötigt, muss die Produktkategorie und den aktuellen Rechtsrahmen prüfen lassen.
Warnzeichen in einem CBD-Laborbericht
Ein einzelner Formfehler macht einen Bericht nicht automatisch wertlos. Mehrere Unklarheiten zusammen sollten jedoch Anlass für Rückfragen sein:
- Charge auf Produkt und Bericht stimmen nicht überein.
- Das Labor ist nicht eindeutig identifizierbar.
- Prüfdatum, Berichtsnummer oder Methode fehlen.
- Zahlen stehen ohne Einheit oder Bezugsgröße im Dokument.
- "THC-frei" wird behauptet, aber weder Messgrenze noch THC-Zeilen sind zu sehen.
- Ein Cannabinoidprofil wird als vollständiger Reinheitsnachweis dargestellt.
- Schadstoffprüfungen werden beworben, die betreffenden Tabellen fehlen jedoch.
- Der Bericht zeigt nur eine ausgeschnittene Seite ohne Kopf, Fußnoten oder Methodenlegende.
Für die Produktauswahl ist ein gut lesbarer Bericht ein hilfreicher Baustein. Er ersetzt aber nicht die Prüfung von Etikett, Verwendungszweck und rechtlichem Status. Wer sich die vorhandenen Produktarten ansehen möchte, findet hier die aktuelle Kategorie Vollspektrum CBD Öl. Die Verfügbarkeit einer Shopseite ist dabei kein Ersatz für die individuelle Prüfung des jeweiligen COA.
FAQ zum CBD-Laborbericht
Was bedeutet COA bei CBD?
COA steht für "Certificate of Analysis". Gemeint ist ein Laborbericht zu einer bestimmten Probe. Er sollte erkennen lassen, welche Charge, welche Stoffe, welche Methoden und welche Einheiten geprüft wurden.
Woran erkenne ich, ob ein COA zu meinem Produkt gehört?
Vergleichen Sie Produktname, Chargen- oder Losnummer und gegebenenfalls die Probenbezeichnung. Mindestens eine eindeutige Kennung muss auf Produkt und Bericht übereinstimmen. Prüfen Sie zusätzlich das Datum und die Berichtsnummer.
Bedeutet ND, dass garantiert kein THC enthalten ist?
Nein. ND bedeutet in der Regel, dass der Stoff mit der verwendeten Methode nicht oberhalb der Nachweisgrenze gefunden wurde. Wie niedrig diese Grenze liegt, muss der Bericht nennen. "ND" ist daher nicht dasselbe wie ein mathematischer Nullwert.
Reicht ein Cannabinoidprofil als Qualitätsnachweis?
Es zeigt, welche Cannabinoide untersucht und in welcher Menge sie gemessen wurden. Ob auch Pestizide, Schwermetalle, Restlösungsmittel oder Mikroorganismen geprüft wurden, muss in eigenen Prüfbereichen stehen.
Beweist ein Laborbericht, dass ein CBD-Produkt legal ist?
Nein. Ein COA kann Messwerte zur Zusammensetzung liefern. Die rechtliche Bewertung hängt zusätzlich von Produktkategorie, Aufmachung, Verwendungszweck und den jeweils geltenden Vorschriften ab. Das BVL weist insbesondere darauf hin, dass 0,3 Prozent THC kein pauschaler Lebensmittelgrenzwert ist.[2]
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Hanfhaltige Lebensmittel und Futtermittel
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Hanf, THC und CBD
- PubMed: Safety and risks of CBD oils purchased online
- PubMed: Analysis of over-the-counter cannabidiol products in the United Kingdom
- DAkkS: Prüf- und Kalibrierlabore nach DIN EN ISO/IEC 17025
- Eurachem: Planning and Reporting Method Validation Studies