· Von Melissa Gerdi
CBD Öl Herstellung: CO2, Ethanol und Qualitätsprüfung
CBD Öl entsteht nicht einfach dadurch, dass Hanf in Öl eingelegt wird. Zwischen Pflanzenmaterial und abgefülltem Produkt liegen mehrere Arbeitsschritte: Ernte und Trocknung, Extraktion, mögliche Decarboxylierung, Reinigung, Mischen mit einem Trägeröl und die Prüfung der fertigen Charge. Jeder Schritt kann beeinflussen, welche Cannabinoide, Terpene, Wachse und Begleitstoffe später im Extrakt zu finden sind.
Die kurze Antwort: Bei der CBD Öl Herstellung werden lösliche Bestandteile aus getrocknetem Hanf gewonnen. Häufig kommen überkritisches Kohlendioxid oder Ethanol zum Einsatz. Danach wird der Rohextrakt je nach Zielprodukt weiter aufbereitet und mit einem Trägeröl auf die gewünschte Konzentration eingestellt. Das Extraktionsverfahren allein beweist jedoch keine Qualität. Entscheidend ist, was der Laborbericht der konkreten Charge tatsächlich zeigt.
CBD Öl Herstellung in sechs Schritten

Der genaue Ablauf unterscheidet sich von Betrieb zu Betrieb. Als Grundmodell lässt er sich in sechs Stationen gliedern:
- Geeignetes Pflanzenmaterial wird geerntet, getrocknet und zerkleinert.
- Cannabinoide und weitere lösliche Stoffe werden aus der Pflanzenmatrix extrahiert.
- Saure Cannabinoidformen können durch Wärme in neutrale Formen umgewandelt werden.
- Wachse, Chlorophyll oder unerwünschte Begleitstoffe werden je nach Verfahren reduziert.
- Der Extrakt wird mit einem Trägeröl gemischt und homogenisiert.
- Ein Labor prüft unter anderem Cannabinoidprofil, THC-Gehalt und den vereinbarten Schadstoffumfang.
Diese Reihenfolge ist kein verpflichtendes Rezept. Einzelne Schritte können früher, später oder mehrfach stattfinden. Wissenschaftliche Übersichten zeigen, dass sich Extraktionsmethoden bei Ausbeute und Zusammensetzung unterscheiden. Selbst bei demselben Ausgangsmaterial kann das Verfahren deshalb zu einem anderen chemischen Profil führen.[1][2]
1. Ausgangsmaterial: Ernte, Trocknung und Zerkleinerung
In der frischen Pflanze liegen viele Cannabinoide überwiegend als saure Vorstufen vor. Bei CBD ist das vor allem Cannabidiolsäure, kurz CBDA. Wie viel davon nach der Ernte erhalten bleibt, hängt nicht nur von der Pflanzensorte ab. Auch Licht, Sauerstoff, Temperatur und Trocknungsdauer spielen eine Rolle.
Die Trocknung senkt den Wassergehalt. Das erschwert mikrobielles Wachstum und macht das Material lager- und verarbeitungsfähiger. Zu viel Wärme oder eine ungünstige Dauer kann das Stoffprofil jedoch verändern. Eine wissenschaftliche Übersicht weist darauf hin, dass falsche Trocknungsbedingungen saure Cannabinoide decarboxylieren und Terpene verloren gehen können.[2]
Nach dem Trocknen wird das Material meist zerkleinert. Kleinere Partikel vergrößern die Oberfläche, die mit dem Extraktionsmittel in Kontakt kommt. Sehr feines Mahlen ist nicht automatisch besser: Es kann die spätere Filtration erschweren und zusätzliche Pflanzenstoffe in den Extrakt bringen. Schon hier wird deutlich, warum Aussagen wie "schonend hergestellt" ohne Prozessdaten wenig erklären.
2. CBD Extraktion: Was wird dabei getrennt?
Bei der Extraktion löst ein geeignetes Medium bestimmte Bestandteile aus der Pflanzenmatrix. CBD ist dabei nicht allein unterwegs. Je nach Temperatur, Druck und Polarität können auch andere Cannabinoide, Terpene, Lipide, Pflanzenwachse, Farbstoffe und weitere Stoffe in den Rohextrakt gelangen.
Der Rohextrakt ist deshalb noch nicht automatisch das fertige CBD Öl. Er kann dunkel, zähflüssig und reich an Wachsen sein. Welche Nachbearbeitung nötig ist, hängt vom gewünschten Ergebnis ab. Ein Vollspektrum-Extrakt soll ein anderes Profil behalten als ein hoch gereinigtes CBD-Isolat. Die Unterschiede zwischen diesen Produktarten erklärt der Beitrag CBD Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat ausführlicher.
CO2-Extraktion bei CBD

Bei der überkritischen CO2-Extraktion wird Kohlendioxid unter Druck und kontrollierter Temperatur in einen Zustand gebracht, in dem es Eigenschaften eines Gases und einer Flüssigkeit verbindet. Es kann das Pflanzenmaterial durchdringen und lösliche Stoffe aufnehmen. Wird der Druck später gesenkt, trennt sich das CO2 wieder vom Extrakt.
Ein Vorteil des Verfahrens liegt in seiner Steuerbarkeit. Druck, Temperatur, Durchfluss und mögliche Co-Lösungsmittel verändern, welche Stoffe bevorzugt gewonnen werden. CO2 hinterlässt nach der Druckentspannung nicht dieselben organischen Lösungsmittelrückstände wie eine klassische Alkoholextraktion. Das bedeutet aber nicht, dass jeder CO2-Extrakt automatisch rein oder vollständig frei von unerwünschten Stoffen ist. Auch hier zählen Ausgangsmaterial, Prozessführung, Reinigung und Analytik.
Eine umfassende Übersichtsarbeit berichtet, dass eine untersuchte konventionelle Mazeration zwar mehr Öl lieferte, der CBD-Gehalt aber niedriger war als bei der überkritischen Flüssigextraktion. Solche Vergleiche gelten nur für die jeweiligen Versuchsbedingungen. Sie rechtfertigen nicht die pauschale Behauptung, eine Methode sei für jedes Produkt überlegen.[1]
Ethanol-Extraktion bei CBD
Ethanol kann Cannabinoide wirksam aus Pflanzenmaterial lösen. Es erfasst wegen seiner Stoffeigenschaften jedoch auch polare Begleitstoffe. Dazu kann Chlorophyll gehören, das Farbe und Geschmack beeinflusst. Temperatur, Kontaktzeit und die Konzentration des Alkohols verändern das Ergebnis.
Für bestimmte saure Cannabinoide erwies sich Ethanol in Versuchen mit dynamischer Mazeration als effizienter als mehrere andere organische Lösungsmittel. Bei neutralen Cannabinoiden war dieser Vorsprung nicht in gleicher Weise zu sehen.[1] Nach der Extraktion muss der Alkohol kontrolliert entfernt und der Extrakt weiter aufbereitet werden. Ein fachgerecht geführter Ethanolprozess kann ein definiertes Ergebnis liefern; "mit Alkohol extrahiert" ist weder ein Qualitätsmangel noch ein Qualitätsbeweis.
Ist CO2 besser als Ethanol?

Die einfache Rangliste "CO2 gut, Ethanol schlecht" hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Beide Verfahren können sinnvoll sein. Entscheidend sind das Zielprofil, die technische Ausführung und die Kontrolle der fertigen Charge.
CO2 lässt sich über Druck und Temperatur selektiv steuern und gut vom Extrakt trennen. Ethanol arbeitet effizient und kann ein breites Stoffprofil lösen, erfordert aber eine sorgfältige Entfernung des Lösungsmittels und häufig weitere Reinigung. Wer Produkte vergleicht, sollte deshalb weniger auf das Schlagwort auf der Vorderseite achten und stärker auf nachvollziehbare Chargendaten schauen.
3. Decarboxylierung: Von CBDA zu CBD
Die Hanfpflanze bildet CBD nicht ausschließlich in seiner neutralen Form. Ein großer Teil liegt zunächst als CBDA vor. Durch Wärme und Zeit kann CBDA Kohlendioxid abspalten und zu CBD werden. Dieser Prozess heißt Decarboxylierung.
Hersteller können das Pflanzenmaterial vor der Extraktion erwärmen oder den gewonnenen Extrakt später behandeln. Temperatur und Dauer müssen zusammenpassen. Zu wenig Wärme lässt mehr saure Vorstufen zurück. Zu starke oder zu lange Erhitzung kann andere Bestandteile beeinträchtigen. Auch Terpene reagieren empfindlich auf ungünstige Prozessbedingungen.[2]
Decarboxylierung ist daher kein Synonym für "Aktivierung" im Sinne eines pauschalen Gesundheitsversprechens. Sie beschreibt zunächst eine chemische Umwandlung. Ob ein fertiges Produkt vor allem CBD, noch nennenswerte Mengen CBDA oder beides enthält, sollte sich im Cannabinoidprofil ablesen lassen.
4. Reinigung: Winterisierung, Filtration und Destillation

Nach der Extraktion können Pflanzenwachse, Fette und Farbstoffe im Rohextrakt verbleiben. Bei der Winterisierung wird der Extrakt üblicherweise in einem geeigneten Lösungsmittel gekühlt. Wachse fallen aus und lassen sich anschließend filtern. Der Name hat also nichts mit einer Jahreszeit zu tun, sondern mit niedrigen Prozesstemperaturen.
Weitere Filtrationen können Partikel entfernen. Eine Destillation trennt Stoffe anhand unterschiedlicher Flüchtigkeit und kann den Cannabinoidanteil konzentrieren. Für Breitspektrum-Produkte oder Isolate sind meist zusätzliche Trenn- und Reinigungsschritte nötig. Jeder Schritt verändert das Profil. "Weniger verarbeitet" bedeutet deshalb nicht automatisch sicherer, und "stärker gereinigt" bedeutet nicht automatisch besser.
Im fertigen Produkt sollte die Bezeichnung zum Laborergebnis passen. Bei einem Vollspektrum-Extrakt erwartet man neben CBD weitere Bestandteile. Bei einem Isolat steht eine hohe Reinheit des einzelnen Stoffes im Vordergrund. Wer Begriffe und Messwerte sauber auseinanderhalten möchte, sollte Produktbezeichnung, Cannabinoidprofil und Messgrenzen gemeinsam lesen.
5. Vom Extrakt zum CBD Öl
Ein konzentrierter Extrakt ist noch kein gebrauchsfertiges Öl. Er wird mit einem Trägeröl vermischt, zum Beispiel MCT-, Hanfsamen- oder einem anderen Pflanzenöl. Das Trägeröl beeinflusst Geschmack, Konsistenz und Lagerstabilität. Es ändert aber nicht die Identität des enthaltenen CBD.
Beim Mischen muss der Hersteller gleichmäßig homogenisieren. Sonst kann sich die Konzentration innerhalb einer Charge unterscheiden. Die Prozentangabe beschreibt den CBD-Anteil, sagt aber allein nichts über Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat aus. Ein 10-Prozent-Öl kann auf unterschiedlichen Extraktarten beruhen.
Nach der Abfüllung bleiben Licht, Wärme und Sauerstoff relevante Faktoren. Hinweise zur Aufbewahrung stehen im Beitrag CBD Öl richtig lagern.
6. Qualitätsprüfung: Der Prozess endet im Labor

Ein seriöser Prüfbericht sollte eindeutig zur Charge passen. Wichtige Angaben sind Produkt- oder Probenname, Chargennummer, Datum, untersuchtes Labor, Messmethode, Einheit und Ergebnis. Ein Cannabinoidprofil beantwortet jedoch nicht automatisch jede Sicherheitsfrage. Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittelrückstände oder mikrobiologische Parameter benötigen eigene Prüfungen.
Auch "nicht nachweisbar" braucht Kontext. Das Kürzel ND oder ein Wert unterhalb der Bestimmungsgrenze bedeutet, dass die Methode bei dieser Probe keinen quantifizierbaren Gehalt oberhalb ihrer Grenze gezeigt hat. Es ist nicht dasselbe wie ein naturwissenschaftlicher Nachweis von absolut null.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass CBD nicht wie THC psychoaktiv wirkt, aber pharmakologisch aktiv ist. In CBD-Ölen aus Hanfextrakten kann außerdem THC enthalten sein.[3] Gesundheitsversprechen lassen sich deshalb nicht aus dem Herstellungsverfahren ableiten. Wer Medikamente einnimmt, sollte mögliche Wechselwirkungen zwischen CBD und Arzneimitteln separat prüfen lassen.
Rechtliche Einordnung: Extraktionsmethode ist keine Zulassung
Die CO2-Extraktion macht ein Produkt nicht automatisch legal oder als Lebensmittel verkehrsfähig. Die Europäische Kommission führt in ihrem Konsultationsbereich einen "CBD extract obtained by CO2 extraction" mit dem Status Novel Food.[4] Der Novel-Food-Statuskatalog selbst ist nach Angaben der Kommission ein nicht bindendes und nicht vollständiges Orientierungsinstrument. Unternehmen müssen gegebenenfalls eine nennenswerte Verwendung als Lebensmittel vor dem 15. Mai 1997 belegen; nationale Vorschriften können zusätzlich eingreifen.[5]
Für Verbraucher ist vor allem wichtig: Eine technische Angabe wie "CO2-extrahiert" ersetzt weder die rechtliche Produktprüfung noch einen chargenbezogenen Laborbericht. Auch ein niedriger THC-Gehalt im Ausgangshanf garantiert nicht automatisch einen bestimmten THC-Wert im fertigen Extrakt.
Woran lässt sich nachvollziehbare Herstellung erkennen?
Die Produktion selbst ist für Käufer selten vollständig sichtbar. Einige Angaben lassen sich trotzdem prüfen:
- Passt der Laborbericht exakt zur Chargennummer auf dem Produkt?
- Nennt der Bericht CBD, CBDA, THC und THCA getrennt oder zumindest nachvollziehbar als Summenwerte?
- Sind Einheit, Nachweis- und Bestimmungsgrenzen erklärt?
- Wurden nur Cannabinoide oder auch relevante Schadstoffgruppen geprüft?
- Passt die Bezeichnung Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat zu den Messwerten?
- Sind Extraktionsverfahren, Trägeröl und Lagerhinweise klar angegeben?
Ein einzelnes Gütesiegelwort reicht dafür nicht. Gute Dokumentation zeigt, welches Material verarbeitet wurde, wie die Charge zusammengesetzt ist und welche Grenzen die jeweilige Analyse hat.
FAQ zur CBD Öl Herstellung
Wie wird CBD aus Hanf gewonnen?
CBD und weitere lösliche Pflanzenstoffe werden mit einem Extraktionsmittel aus getrocknetem Hanf gelöst. Häufig kommen überkritisches CO2 oder Ethanol zum Einsatz. Danach wird der Rohextrakt je nach Produktziel gereinigt und weiterverarbeitet.
Was ist CO2-Extraktion bei CBD?
Kohlendioxid wird unter kontrolliertem Druck und kontrollierter Temperatur als Extraktionsmedium eingesetzt. Nach der Extraktion wird der Druck gesenkt, sodass sich das CO2 vom gewonnenen Extrakt trennt.
Ist CO2-Extraktion automatisch besser?
Nein. CO2 bietet technische Vorteile und lässt sich präzise steuern. Die Qualität des Endprodukts hängt aber ebenso vom Pflanzenmaterial, den Prozessparametern, der Reinigung und der Laborprüfung ab.
Was bedeutet Decarboxylierung?
Bei der Decarboxylierung wird die saure Vorstufe CBDA durch Wärme und Zeit teilweise oder weitgehend in CBD umgewandelt. Temperatur und Dauer beeinflussen zugleich andere Bestandteile des Extrakts.
Warum wird CBD-Extrakt mit Trägeröl gemischt?
Der Extrakt ist stark konzentriert und häufig zähflüssig. Ein Trägeröl ermöglicht eine gleichmäßige, definierte Konzentration und beeinflusst Konsistenz, Geschmack sowie Lagerverhalten des fertigen Produkts.
Fazit
CBD Öl Herstellung ist eine Kette aus kontrollierten Einzelschritten. Trocknung, Extraktion, Decarboxylierung, Reinigung, Mischen und Laborprüfung formen gemeinsam das Endprodukt. CO2 oder Ethanol beschreiben nur einen Teil dieser Kette. Wer Qualität beurteilen möchte, braucht den Laborbericht der konkreten Charge und klare Angaben dazu, was tatsächlich geprüft wurde.
Quellen und Fachliteratur
- [1] A Comprehensive Review on the Techniques for Extraction of Bioactive Compounds from Medicinal Cannabis
- [2] Processing and extraction methods of medicinal cannabis
- [3] BfR: gesundheitliche Risiken hanfhaltiger Lebensmittel
- [4] European Commission: Consultation process on novel food status
- [5] European Commission: Novel Food Status Catalogue