· Von Melissa Gerdi
Was ist CBG? Cannabigerol und seine Wirkung erklärt
CBG ist neben CBD, THC und CBC eines der natürlichen Cannabinoide der Hanfpflanze. Die Abkürzung steht für Cannabigerol. Auf Etiketten taucht der Stoff inzwischen häufiger auf, doch die Forschung ist noch deutlich kleiner als das Angebot vermuten lässt.
Kurz gesagt: CBG entsteht aus Cannabigerolsäure (CBGA) und ist nicht mit CBD gleichzusetzen. Labor- und Tierstudien untersuchen zahlreiche biologische Effekte. Aussagekräftige Humanstudien gibt es bisher nur wenige. Deshalb lassen sich aus dem aktuellen Forschungsstand weder eine gesicherte gesundheitliche Wirkung noch eine allgemein sichere Anwendung ableiten.
Was ist CBG?
Cannabigerol ist ein Phytocannabinoid, also ein Cannabinoid, das die Pflanze Cannabis sativa selbst bildet. Es gehört chemisch zu derselben Stofffamilie wie CBD und THC, ist aber ein eigenständiges Molekül mit einem eigenen pharmakologischen Profil. Eine Übersichtsarbeit beschreibt CBG als wenig erforschtes Cannabinoid und warnt davor, kommerzielle Versprechen mit gesicherten medizinischen Erkenntnissen zu verwechseln.[11]
In der Pflanze liegt zunächst vor allem die saure Vorstufe CBGA vor. Enzyme können CBGA in die sauren Vorstufen von CBD, THC oder CBC umwandeln. Wird CBGA decarboxyliert, etwa unter dem Einfluss von Wärme, entsteht CBG. Die oft gelesene Bezeichnung „Mutter aller Cannabinoide“ ist allerdings verkürzt: Nicht CBG selbst, sondern vor allem CBGA ist der zentrale Ausgangsstoff mehrerer Cannabinoidwege.[10]

CBG und CBD: Wo liegt der Unterschied?
CBD steht für Cannabidiol, CBG für Cannabigerol. Beide kommen in der Hanfpflanze vor und werden nicht mit dem typischen THC-Rausch gleichgesetzt. Damit endet die einfache Gemeinsamkeit. Die Moleküle binden und wirken an verschiedenen Zielstrukturen nicht identisch.
Bei CBG fanden Laboruntersuchungen Wechselwirkungen unter anderem mit Cannabinoid-Rezeptoren sowie mit Alpha-2-Adrenozeptoren und 5-HT1A-Rezeptoren. Solche Versuche zeigen, dass ein Stoff in einem biologischen System aktiv sein kann. Sie beweisen noch nicht, dass daraus eine Behandlung für Menschen entsteht.[7]
CBD ist insgesamt breiter untersucht. Auch dort darf man Forschung, zugelassene Arzneimittel und frei verkäufliche Produkte nicht in einen Topf werfen. Eine grundlegende Einordnung bietet unser Beitrag CBD für Anfänger: Wirkungen und Risiken.

Macht CBG high?
CBG wird in der Fachliteratur als nicht berauschendes beziehungsweise nicht intoxikierendes Cannabinoid beschrieben. Das bedeutet nicht, dass jedes CBG-haltige Produkt automatisch frei von berauschenden Stoffen ist. Pflanzenextrakte können mehrere Cannabinoide enthalten, darunter THC. Entscheidend sind deshalb die tatsächliche Zusammensetzung und eine belastbare Laboranalyse, nicht allein der große Schriftzug auf der Verpackung.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung untersuchte 26 cannabinoidhaltige Öle, darunter zwei Produkte mit CBG als angegebener Hauptkomponente. Die deklarierten Mengen von CBD, CBG und CBN lagen nicht durchgehend auf Höhe der gemessenen Werte; zudem wurde in 20 der 26 Proben THC gefunden.[3] Die kleine Zahl der CBG-Produkte erlaubt keine Aussage über den gesamten Markt. Sie zeigt aber, warum unabhängige Prüfberichte wichtig sind.
Was weiß die Forschung über eine CBG-Wirkung?

Humanstudien: erste Daten, viele offene Fragen
Eine 2024 veröffentlichte doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie untersuchte die akute Wirkung von CBG bei 34 gesunden Erwachsenen. Die Teilnehmenden berichteten unter CBG im Mittel geringere Angstwerte; zu einem Messzeitpunkt waren auch die Stresswerte niedriger. Hinweise auf subjektive Rauschwirkungen oder Beeinträchtigungen fanden die Forschenden in diesem Versuchsaufbau nicht.[2]
Das ist ein interessantes Signal, aber noch kein Wirksamkeitsnachweis für Angststörungen oder andere Erkrankungen. Die Stichprobe war klein, untersucht wurden gesunde Erwachsene und nur eine akute Anwendung. Größere Studien mit längerer Beobachtung und klinisch klar definierten Patientengruppen fehlen.
Eine weitere kleine Humanstudie befasste sich nicht mit einer therapeutischen Wirkung, sondern mit der Aufnahme von CBG in den Körper. Dabei beeinflusste eine fettreiche Mahlzeit die gemessenen Konzentrationen stärker als das verglichene Trägersystem.[8] Das zeigt vor allem, dass Ergebnisse von Einnahmebedingungen abhängen können. Daraus folgt keine Dosierungsempfehlung.
Präklinische Forschung: Labor und Tiermodell
Der größte Teil der CBG-Forschung besteht weiterhin aus Zellversuchen, Untersuchungen an isoliertem Gewebe und Tiermodellen. Dort wurden unter anderem entzündungsbezogene, neurobiologische, dermatologische und weitere Mechanismen untersucht.[10] Solche Arbeiten helfen, mögliche Forschungsfragen einzugrenzen. Sie sagen jedoch nicht zuverlässig voraus, ob eine Wirkung beim Menschen eintritt, welche Risiken bestehen oder wie ein Stoff medizinisch eingesetzt werden könnte.
Gerade bei Schlagworten wie „entzündungshemmend“, „gegen Schmerzen“ oder „für besseren Schlaf“ lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Studienart. Ein Ergebnis aus einer Zellkultur ist kein Beleg für einen Nutzen im Alltag. Auch positive Tierdaten dürfen nicht als fertige Therapieaussage verkauft werden.
Offene Fragen zu Sicherheit und Wechselwirkungen
Für CBG fehlen bislang belastbare Langzeitdaten am Menschen. Unklar ist außerdem, wie sich unterschiedliche Produktformen, Begleitstoffe, Verunreinigungen oder die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten auswirken. Das BfR sieht bei cannabinoidhaltigen Ölen erhebliche Wissenslücken zu möglichen gesundheitlichen Risiken.[3]
Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist, stillt oder gesundheitliche Beschwerden hat, sollte cannabinoidhaltige Produkte nicht zur Selbstbehandlung einsetzen. Medizinische Fragen gehören in ärztliche oder pharmazeutische Hände.
Woran lässt sich ein seriös beschriebenes CBG-Produkt erkennen?
Eine auffällige Prozentzahl auf der Vorderseite reicht nicht. Sinnvoll ist ein aktueller, chargenbezogener Prüfbericht eines unabhängigen Labors. Darin sollten der gemessene CBG-Gehalt, weitere Cannabinoide und insbesondere THC nachvollziehbar aufgeführt sein. Je nach Produktart gehören auch Untersuchungen auf Verunreinigungen wie Pestizidrückstände, Schwermetalle oder Mikroorganismen dazu.
Seriöse Produktinformationen trennen Messwerte von Werbeaussagen. Formulierungen wie „heilt“, „behandelt“ oder „garantiert nebenwirkungsfrei“ sind bei frei angebotenen CBG-Produkten kein Zeichen besonderer Qualität. Auch die Bezeichnung „Vollspektrum“ sagt allein nichts darüber aus, ob die Zusammensetzung korrekt deklariert wurde.
Mehr zur Einordnung von Analysewerten und Produktangaben steht im Beitrag Qualität von CBD-Blüten erkennen. Wer verschiedene Cannabinoide vergleicht, findet außerdem eine separate Übersicht zu HHC und seinen Unterschieden zu CBD.

Häufige Fragen zu CBG
Wofür steht CBG?
CBG ist die Abkürzung für Cannabigerol, ein natürliches Cannabinoid aus Cannabis sativa.
Ist CBG dasselbe wie CBD?
Nein. CBG und CBD sind zwei unterschiedliche Moleküle. Beide gehören zu den Phytocannabinoiden, unterscheiden sich aber in ihrer Entstehung und ihren Wechselwirkungen mit biologischen Zielstrukturen.
Ist die Wirkung von CBG wissenschaftlich bewiesen?
Für einzelne kurzfristige Effekte gibt es erste kleine Humanstudien. Der überwiegende Teil der Forschung ist präklinisch. Für pauschale Aussagen zu Nutzen, Sicherheit oder Langzeitanwendung reicht die Datenlage nicht aus.
Ist CBG automatisch THC-frei?
Nein. Ein Produkt kann neben CBG weitere Cannabinoide enthalten. Ob THC vorhanden ist, lässt sich nur über die konkrete Zusammensetzung und einen verlässlichen Prüfbericht beurteilen.
Fazit
CBG ist ein eigenständiges Cannabinoid mit einer interessanten Rolle in der Biosynthese der Hanfpflanze. Seine Bekanntheit wächst schneller als die klinische Forschung. Ein kleiner kontrollierter Versuch am Menschen liefert erste Hinweise, während viele weitere Aussagen bisher aus Labor- und Tierstudien stammen. Wer sich informiert, sollte daher genau auf die Studienart achten und große Wirkversprechen kritisch prüfen.
Quellen
- Nachnani et al. (2021): The Pharmacological Case for Cannabigerol
- Calapai et al. (2022): Pharmacological Aspects and Biological Effects of Cannabigerol
- Cascio et al. (2010): Rezeptor-Pharmakologie von Cannabigerol
- Cuttler et al. (2024): Akute Effekte von CBG in einer kontrollierten Humanstudie
- Story et al. (2024): Pharmakokinetik von CBG bei Erwachsenen
- BfR (2024): Cannabinoide in CBD-Ölen